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Die Fanprojekte 
Die Fanszene des traditionsreichen TSV Alemannia Aachen ist ein fester Bestandteil der deutschen Fankultur und wirkt weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Die besondere Lage der Stadt im Länderdreieck Belgien-Niederlande-Deutschland bringt zudem noch einige fanspezifische Eigenarten mit sich.
Für die Tradition des TSV Alemannia Aachen stehen unverwechselbare Symbole, in ganz besonderem Maße das altehrwürdige Stadion Am Tivoli. Große Unsicherheit löst derzeit dessen Neubau aus. Welche Veränderungen für die Fanszene sind zu erwarten, welche Erinnerungen gehen vielleicht verloren? Aber auch: Welche positiven Möglichkeiten bietet der Neubau? Verein und Fanszene befinden sich also in einer besonders sensiblen Phase, in der das Fanprojekt den Aushandlungsprozess zwischen den unterschiedlichen Interessen moderieren kann. Während inzwischen die ersten Tribünenteile des neuen Tivoli aufgestellt werden, wird auch die Infrastruktur des Fanprojekts entwickelt.

Von zentraler Bedeutung für die Einrichtung des Fanprojekts in Aachen war das dauerhafte Engagement von Frithjof Kraemer in seiner Funktion als Geschäftsführer von Alemannia Aachen. Gemeinsam mit der Kommune wurde mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreisverband Aachen-Stadt e. V. ein engagierter und renommierter Trägerverein gefunden. Durch eine Kooperation mit der AWO Landesverband Saarland in Person des in Sachen Fanprojekte erfahrenen Jörg Rodenbüsch nutzte man dessen in zwanzig Jahren erworbenes fachliches Know-how für den Aufbau der eigenen örtlichen Strukturen. Zum Jahreswechsel 2008/2009 wurde die Sozialarbeiterin Kristina Walther als Leiterin des Fanprojekts eingestellt.
Typisch für die Fanszene der Alemannia ist es, dass sie sich über das gesamte Stadion verteilt. Der „harte Kern“ befindet sich im S-Block, viele der älteren Fans finden sich auf dem Würselener Wall (Wüwa) ein. In diesen Hintertorbereich passen etwa 7.500 Zuschauer. Derzeit gibt es 52 offiziell eingetragene Fanklubs mit etwa 800 Mitgliedern, 44 dieser Fanklubs sind zugleich in der IG (Interessengemeinschaft) organisiert. Neben den offiziell registrierten Fanklubs kann man von weiteren 10 bis 15 eher informell organisierten Fanklubs ausgehen. Die IG der Alemanniafans hat einen starken Rückhalt in der Fanszene und ist dort tief verwurzelt. Sie versteht sich als legitimes Sprachrohr der Alemanniafans. Insgesamt zeichnet die selbstbewusste Fanszene von Alemannia Aachen eine intensive Kommunikations- und Diskussionskultur aus, die sich beispielsweise in den beiden unabhängigen Fanzeitungen In der Pratsch und Oche wa! niederschlägt.

Der Würselener Wall wird von traditionsreichen Fanklubs geprägt. Im Block N ist dies z. B. Schwarz-Gelb 81 und im alten Block P die Stolberger Tivoli Jonge. Pro Spieltag befinden sich etwa 2.500 bis 3.000 Jugendliche im Stadion. Auf diese übt die Gruppe der Ultras eine besondere Anziehungskraft aus. Knapp 100 Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren bewegen sich derzeit sichtbar im Nahfeld der Ultras. Auffällig ist auch, dass in den letzten Jahren der Frauen- und Mädchenanteil stark angestiegen ist. In absehbarer Zeit dürfte dieser Anteil bei etwa 40 % liegen.
Die vergangenen fünf Jahre waren für den Verein und seine Fans ungemein ereignisreich. Sei es der unvergessene Bundesligaaufstieg, das Pokalfinale in Berlin oder auch die nachfolgenden Auftritte auf internationalem Parkett. Nach einem Abstieg wieder in der 2. Liga, schwingen diese Erlebnisse immer noch mit.
Das Fanprojekt hat sich für die Startphase das Ziel gesetzt, sich als verlässlicher Ansprechpartner der vielschichtigen Fanszene zu etablieren. Konkrete Angebote sollen im Laufe der nächsten Monate u. a. mit den Jugendlichen zusammen entwickelt werden. Langfristig sollen so die vielen positiven Kräfte rund um den Tivoli aktiviert werden, um auch den teilweise vorhandenen rechtsextremen Einstellungen jugendlicher Fans entgegenzuwirken.
Kristina Walther
c/o AWO Kreisverband Aachen-Stadt e. V.
vorläufige Adresse Gartenstraße 25
52064 Aachen
Tel. (0241) 8891630
E-Mail walther(at)awo-aachen-stadt.de
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