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Halle (2006)

Bereits Anfang der 90er-Jahre gab es ein Fanprojekt in Halle an der Saale, und auf Initiative des ehrenamtlichen Fanrates mit Unterstützung des Halleschen FC wurde im Juni 2005 gegenüber der Stadt ­Halle der dringende Bedarf sozialpädagogischer Fanarbeit neu formuliert. Daraufhin wurde innerhalb des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie der Stadt Halle / Saale eine Arbeitsgruppe für die konzeptionelle Entwicklung eines Fanprojekts gebildet, das am 5. November 2006 mit Übergabe der Förderbescheide des Landes Sachsen-Anhalt und des DFB in kommunaler Trägerschaft der Stadt mit 1,5 Personalstellen offiziell gestartet wurde.

Noch vor dem Start des Fanprojekts wurde mit Unterstützung der ARGE und des Eigenbetriebs für Arbeitsförderung der Stadt mit der Sanierung eines Gebäudes in unmittelbarer Stadionnähe begonnen. Dieses Objekt wurde durch zehn HFC-Anhänger – im Rahmen einer Entgeltmaßnahme mit ehrenamtlicher Unterstützung zahlreicher Fanklubs und Sponsoren des Vereins sowie Fördermitteln – zu einer Anlauf- und Beratungsstelle für die Fans umgestaltet. Mit dieser vielbeachteten Aktion konnte sich das Fanprojekt in der Fanszene positionieren, und das Fanhaus entwickelte sich zum zentralen Treffpunkt der HFC-Anhänger.

Das Fanhaus, Treffpunkt am Spieltag

Die Mitarbeiter des Fanprojekts, Steffen Kluge und Uwe Striesenow, begleiten und unterstützen vorrangig die aktiven Ultragruppierungen bei Heim- und Auswärtsspielen und fungieren als Ansprechpartner und Vermittler zwischen Fans, Vereinen und Ordnungskräften. Hierbei ist besonders problematisch, dass alle Fans des Vereins bei Auswärtsspielen undifferenziert als sogenannte Problemfans angesehen und oftmals auch dementsprechend behandelt werden.

Das Fanprojekt versucht durch eine intensive Begleitung auch der gewaltgeneigten Fans zu verhindern, dass diese Jugendlichen kriminalisiert werden, ohne dabei „Entschuldigungsversuche“ der jungen Gewalttäter zu tolerieren und Gewalttaten zu verharmlosen. Dabei befindet sich das Fanprojekt in einem schwierigen Prozess. Zu lösen sind Verständnis- und Akzeptanzschwierigkeiten zwischen den am Spielbetrieb beteiligten Institutionen und dem Projektleiter (und gleichzeitig einzigem Sozialarbeiter im Fanprojekt) Steffen Kluge. Die Neuzuweisung des Jugendhilfeprojektes aus dem Dezernat Jugend, Schule, Soziales und kulturelle Bildung zum Dezernat Sicherheit, Gesundheit und Sport im Herbst 2008 wurde öffentlich mit einem stärkeren ordnungspolitischen Auftrag des Trägers begründet. Genau diese Anordnung löste aber bei Fans und Faninstitutionen bundesweit Besorgnis und Widerstände aus.

Die Arbeit des Fanprojekts wird sich weiterhin an vertrauensfördernden Maßnahmen der Jugendsozialarbeit orientieren und diesen Arbeitsansatz uneingeschränkt vertreten. Die Mitarbeiter sehen ihre kritisch-parteiliche, auf Vertrauen basierende Beziehungsarbeit im Rahmen der Fanbetreuung nur dann als erfolgreichversprechend an, wenn die Grundsätze der offenen Jugendsozialarbeit nicht infrage gestellt werden.

Kinderfest am Fanhaus

Mit entsprechenden Grundlagen ausgestattet, wird das Fanprojekt Halle den eingeleiteten Sensibilisierungs- und Mobilisierungsprozess gegenüber gewalttätigen und fremdenfeindlichen Tendenzen in Teilen der Fanszene fortsetzen, um deren Einflussmöglichkeiten weiter zu schwächen und die engagierten und kreativen Ultragruppierungen zu stärken.

Darüber hinaus wird sich das Fanprojekt um die Anliegen aller Fans kümmern und möchte dabei ohne Besserwisserei und Kontrollabsichten ein verlässlicher Ansprechpartner sein, der sich für Faninteressen einsetzt. Im Fanhaus und in Einrichtungen kooperierender Institutionen werden Gesprächsmöglichkeiten, Treffs, Foren sowie Freizeit- und Bildungsangebote nach den Standards offener Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit und generationsübergreifender Sozialarbeit offeriert.


Streetwork Fanprojekt Halle / Saale

Steffen Kluge (Leitung), Uwe Striesenow

Ernst-Haeckel-Weg 10a
06122 Halle/Saale

Tel (0163) 380 11 63
Fax (0345) 122 98 10

E-Mail fanprojekt-halle(at)gmx.de
Homepage
www.fanprojekt-halle.de

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