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Die Fanprojekte 
Lange Jahre war die Fanbetreuung in München in Obliegenheit der städtischen Jugendhilfe: Als erste Kommune finanzierte die Stadt bereits gegen Ende der 70er-Jahre die Betreuung von Fußballfans durch die Streetworker des kommunalen Jugendamtes. Gerade die sogenannte „Härtegruppenarbeit“, wie sie in München beispielsweise mit Rockern über lange Jahre hinweg höchst erfolgreich durch kommunale Streetwork geleistet wurde, hat in der bayerischen Landeshauptstadt Tradition und konnte nun auch auf dem Gebiet der Fußballfanarbeit auf einem hohen fachlichen Niveau entwickelt und ausgebaut werden.
In einer Stadt mit zwei Bundesligavereinen ist eine soziale Arbeit mit Fußballfans von besonderer Bedeutung, da sich die lokalen Rivalitäten leider allzu häufig in besonders krisenhaften und problematischen Verhaltensweisen der Fanszenen untereinander zuspitzen. Auf der einen Seite der idealisierte „Arbeiterverein“, die Sechziger, auf der anderen Seite die „snobistischen Titelhamsterer“, die Bayern. Diesem ebenso schlichten wie in seinen Auswirkungen häufig problematischen Muster folgend, ordnen sich insbesondere jugendliche Fußballfans ein bzw. zu und grenzen sich eindeutig ab. Sehr häufig entsteht so eine schier unüberwindbare Kluft. Die jeweils anderen sind die Bösen, die Gegner, die Feinde, die Rechten oder Linken. Doch nicht nur die simple Lokalrivalität, sondern auch der Alltag im sich rasant verändernden „Fußballbusiness“ hinterlässt zunehmend Spuren in der klassischen kritischen und aktiven Fanszene. Hier (Verständnis-)Brücken zu schlagen, ist nicht immer einfach, aber in aller Regel ein wesentliches Merkmal sozialer Arbeit mit Fußballfans.

Die klassischen Angebote wie Streetwork, Einzelfallhilfe/Lebenshilfe, soziale Gruppenarbeit und die Stärkung und Förderung der Fans bei der Selbstorganisation (bspw. bei der Unterstützung von Faninitiativen, der Herstellung von Fanzines, der Gründung von Fanklubs, dem Interessenausgleich mit den Vereinen bzw. den Fanbeauftragten der Vereine) nehmen breiten Raum in den Aktivitäten des Münchner Fanprojekts ein. Daneben unterhalten die Münchner zwei separate und sehr gut besuchte Fanräume für die Fans beider Vereine und ein kleines „neutrales“ Büro. Die beiden Fanheime befinden sich leider in unmittelbarer Nachbarschaft (nur getrennt durch einen Zaun), was die Mitarbeiter/innen des Fanprojekts immer wieder vor große Herausforderungen stellt, um den rivalisierenden Fangruppen klarzumachen, dass ein von Toleranz und Akzeptanz geprägtes Nachbarschaftsverhältnis notwendig ist. Bis jetzt gab es in den letzten Jahren keine größeren Zwischenfälle, da den Fans immer wieder bewusst gemacht wird, dass jeglicher Übergriff eine Eingrenzung der Nutzung der Räume oder sogar eine Schließung zur Folge hätte.
Die in der Vergangenheit getroffene Personalentscheidung der beiden Vereine, je einen Fanbeauftragten für die Betreuung „unorganisierter“ Fans einzustellen, hatte zur Folge, dass ein regelmäßiger Informationsaustausch und eine offene, faire und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Fanprojekt und den Vereinen stattfindet. Durch verstärkte Aufklärungsarbeit bei den Ultras vom TSV 1860 ist es gelungen, einen engen Kontakt zwischen der Cosa Nostra (CN) und den Löwenfans gegen Rechts (LGR) herzustellen. Die CN, die sich als unpolitische Ultragruppierung versteht, arbeitet nun eng mit den LGR zusammen, wenn es um gemeinsame antirassistische Aktionen geht.

Seit der Saison 2005/2006 tragen die beiden Münchner Fußballvereine ihre jeweiligen Heimspiele in der Allianz-Arena aus. Der Umzug ins neue Stadion wurde von den beiden Fanszenen unterschiedlich aufgenommen. Beide Kurven haben nach wie vor das Problem, sich mit der neuen Situation im Stadion (breitgezogene Stehplatzkurve) zu arrangieren, was sich vor allem auf die Stimmung im Stadion – aus Sicht der Fans – negativ auswirkt.
Seit dem Umzug in die Allianz-Arena betreibt der FC Bayern München einen Fanbetreuungsraum im Stadion als Anlaufstelle für alle Fans, in dem das Fanprojekt gerne gesehen und oft anzutreffen ist. Dieses Angebot gibt es seit der Saison 2007/2008 auch für die Fans des TSV 1860 München. Da das Fanprojekt selbst keine eigenen Räumlichkeiten im Stadion hat, steht den Fans zusätzlich der Streetwork-Bus als Anlaufstelle in Stadionnähe zur Verfügung.

Seit der Saison 2005/2006 und dem damit verbundenen Umzug beider Münchner Vereine in das neue Stadion werden mit Vertretern der Fangruppierungen, den Fanbeauftragten, den Einsatzleitern, den szenekundigen Beamten sowie dem Fanprojekt jeweils vor der neuen Saison gemeinsame Gespräche geführt. Daraus resultiert eine „gemeinsame Erklärung“, in der Verhaltensregeln von den Beteiligten formuliert und unterschrieben sowie veröffentlicht werden. Seit der Saison 2007/2008 sind die Ultragruppierungen beider Vereine nicht mehr bereit, die gemeinsame Erklärung mitzutragen, da sich aus ihrer Sicht das Verhältnis zwischen ihnen und der Polizei nicht verbessert hat. Auch wird die gemeinsame Erklärung vonseiten der Polizei als Druckmittel eingesetzt, wenn es um die Erlaubnis von Megafon oder Doppelhaltern etc. geht.
Immer stärker in den Fokus der Spielbegleitung geraten auch die Spiele der jeweils zweiten Mannschaften. Die zweite Mannschaft des FC Bayern spielt in der neu formierten 3. Liga, die der Löwen in der ebenfalls neu strukturierten (viertklassigen) Regionalliga Süd. Beide Mannschaften nutzen das alt-ehrwürdige Grünwalder Stadion und erfreuen sich bei entsprechenden Partien eines beachtlichen Zuschauerzuspruchs. Ansteigend ist diesbezüglich auch die Zahl der Vorfälle rund um die Spiele der zweiten Mannschaften – ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist, weshalb nun immer mehr Fanprojekte reagieren und sich bei entsprechender Förderung bemühen, die Anhänger auch bei diesen Spielen zu begleiten.
Günter Krause (Leitung, zuständig für FC Bayern München), Thomas Emmes (FC Bayern München), Lothar Langer (TSV 1860 München), Andrea Sailer (TSV 1860 München)
Johannisplatz 12
81667 München
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