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13.07.2017

Confed-Cup 2017 - Einen guten Gastgeber kennengelernt

Otkrytie „Spartak“ Stadion

Viel wurde im Vorfeld diskutiert über den Konföderationen-Pokal diesen Sommer in Russland. Als sportlich überflüssig und als zu hohe Belastung im ohnehin prall gefüllten Terminkalender der Teams und Spieler wurde das Turnier vielfach kritisiert. Doch zugleich diente das Turnier den Ausrichtern als eine Art Generalprobe, und es konnten die Abläufe für die Weltmeisterschaft durchgespielt werden.

Aus Fansicht sind die Eindrücke natürlich auch äußerst spannend. Gerade wenn man in eine bislang relativ unbekannte Fußballwelt wie Russland eintauchen und sich auf die WM im kommenden Jahr einstimmen möchte. Stefan Roggenthin, Mitarbeiter des Fanprojekts Magdeburg, reiste während seines Urlaubs privat nach Russland. Seine Erfahrungen hat er uns geschildert.


Stefan Roggentin

Stefan, du warst Mitte Juni zum Confed-Cup in Russland. Wie viele Spiele hast du denn gesehen?

Ich war vom 16. Juni an in Russland und habe insgesamt sechs Spiele in allen vier Austragungsorten gesehen. Darunter auch das Eröffnungsspiel in St. Petersburg, dazu kamen noch Moskau, wo im Stadion von Spartak Moskau gespielt wurde, Sotschi und Kasan. Zurückgekommen bin ich dann mit Abschluss der Vorrunde.

Jetzt ist Russland nicht gerade als typisches Reiseziel bekannt. Wie geht man denn da die Vorbereitung an?

Die Idee zu der Reise entstand bei mir direkt nach dem Gewinn des WM-Titels 2014, als klar war, dass das deutsche Team auch für den Confed-Cup qualifiziert war. Da begannen im Grunde schon meine Planungen, also noch weit vor der eigentlichen Auslosung der zwei Gruppen.


Stadion Sankt Petersburg, auch Krestowski-Stadion genannt

Die erste kleinere Herausforderung besteht schon darin, dass es nicht allzu viele Flugverbindungen zwischen Deutschland und Russland gibt. Innerhalb Russlands stellen die Flugverbindungen dagegen kein Problem dar. Die Strecken zwischen den einzelnen Austragungsstädten habe ich mit dem Flieger zurückgelegt. Es gibt eigentlich keinen großen Unterschied zu Deutschland, auch die Preise sind – wenn man sich rechtzeitig bemüht – auf  dem Niveau von Billigfliegern. Zu den WM-Spielen werden sicher ähnlich wie beim Confed-Cup noch einige zusätzliche Flugverbindungen dazu kommen. In Russland gibt es kein Nachtflugverbot, und viele Flieger starten auch in der Nacht.

Eintrittskarten für die Spiele gab es nur über die Verkaufsplattform der FIFA,  in dem mittlerweile üblichen Modus mit verschiedenen Verkaufsphasen. Aber auch vor Ort konnten in den Ticketcentern noch Karten gekauft werden. Die wohl einschneidendste Neuerung ist die Fan-ID, die bei der Russischen Föderation beantragt werden muss und ohne die man nicht ins Stadion kommt.


FAN ID Center in Kasan

Was hat es denn mit dieser Fan-ID auf sich? Das klingt ja erst mal merkwürdig, wenn ich neben dem Ticket auch noch eine staatliche Genehmigung brauche.

Die Fan-ID berechtigt zur visafreien Einreise nach Russland. Das heißt, ich erspare mir den Weg zur Botschaft und all den bürokratischen Aufwand, der ansonsten mit der Beantragung eines Visum verbunden wäre. Außerdem berechtigt die Fan-ID in Kombination mit der Eintrittskarte am Spieltag zur kostenlosen Nutzung des öffentlichen Personenverkehrs, zudem hat es zwischen den Gastgeberstädten Sonderzüge gegeben, die mit Ticket und Fan-ID kostenlos bei vorheriger Reservierung genutzt werden konnten. Ähnlich wie ein Visum muss die Fan-ID auch im Hotel zur Registrierung oder bei internationalen Flügen angegeben werden.

Zutritt zum Stadion bekomme ich auch nur in Kombination von Fan-ID und Ticket. Sie muss auch im Stadion die ganze Zeit über sichtbar getragen werden, das sieht dann aus, als ob alle Zuschauer irgendwelche Akkreditierungen hätten. Im Grunde ist damit das erste Mal das System der personalisierten Tickets – auch wenn man dieses generell kritisch sehen kann - konsequent umgesetzt worden, da beim Betreten des Stadions der Fan-ID das Ticket zugeordnet wird, auch wenn es nicht auf den gleichen Namen ausgestellt ist. Natürlich müssen hierfür auch persönliche Daten abgegeben werden. Meines Wissens nach sind dies aber keine anderen Daten als bei der Beantragung des Visums. 


Einlassdienst in Kasan zur Verabschiedung nach dem Spiel Russland gegen Mexiko

So ein Turnier ist auch immer die Chance, Land und Leute besser kennen zu lernen. Wie war denn da dein Eindruck?

Ich persönlich habe überall freundliche und offene Menschen erlebt. Das ist auch der Eindruck, der mir von anderen Fans bestätigt wurde. So habe ich im Flieger beispielsweise Mexikaner und Chilenen kennen gelernt, die ebenfalls begeistert waren von der Gastfreundschaft der Menschen und die auch positiv vom Land überrascht waren. Wenn ich ein Zitat benutzen darf, das ich während des Turniers gehört habe: „Es tut den Menschen in Russland gut, dass internationale Gäste kommen“. Auch die Kommunikation klappt, gerade bei den Jüngeren, auf Englisch recht gut. Die Beschilderungen, die mit dem Turnier zu tun haben, z.B. in der Bahn, auf dem Weg zum Stadion oder am und im Stadion, sind ohnehin zweisprachig auf Russisch und auf Englisch. Ansonsten haben mir meine vier Jahre Russisch in der Schule zumindest beim Lesen auch etwas geholfen, auch wenn das doch schon eine Weile her ist. Generell empfiehlt es sich, wie auf jeder Auslandsreise, sich im Vorfeld ein paar Wörter und Redewendungen in der Landessprache anzueignen.


Busshuttle in St. Petersburg

Unweigerlich muss man mittlerweile auch immer an die Sicherheitslage bei Großereignissen denken. Russland sieht sich ebenfalls terroristischen Bedrohungen ausgesetzt, in St. Petersburg gab es Anfang April einen mutmaßlich terroristischen Anschlag.

Leider steht so ein großes Turnier heutzutage im Fokus. Dennoch habe ich im und um das Stadion immer ein sicheres Gefühl gehabt. Es sind alle Vorkehrungen getroffen worden, die man vermutlich treffen kann, was auch die Präsenz von Sicherheitskräften betrifft. So konnte man vielerorts sehr viele Polizeikräfte sehen. An den Bahn- und Metrostationen gab es auch überall Sicherheitskontrollen.


Stefan im Gespräch mit deutschen Fans 2014 in Brasilien

In deiner Eigenschaft als Fanprojektmitarbeiter warst du Teil des Teams der Fanbotschaft in Brasilien. Auch sonst hast du durch deine Arbeit eine große Expertise, was die Abläufe bei Fußballspielen betrifft. Vermutlich kann man diesen Blick auch in der Freizeit nicht ganz ablegen. Wo liegen für dich die Herausforderungen für eine Fanbotschaft im kommenden Jahr in Russland?

Russland ist aus meiner Sicht gut vorbereitet auf das Turnier im kommenden Jahr. Die Infrastruktur ist – zumindest in den vier Städten des Confed-Cup, die ich besucht habe – gut ausgebaut. Es gibt nahezu überall gute Verbindungen mit dem öffentlichen Nahverkehr, zum Beispiel mit der Metro. Die Flughäfen hatten auch alle einen hohen Standard. Es gab eine Vielzahl an Infoständen für die internationalen Fans, auch die Volunteers machten einen sehr freundlichen Eindruck.

Eine der größten Herausforderungen und wohl auch Schwerpunkt für die Arbeit der Fanbotschaft sehe ich schon in der Vorbereitung der deutschen Fans auf das Turnier. Gerade was die Kommunikation zu der Fan-ID betrifft, die ja eine komplette Neuerung darstellt und auf die die reisenden Fans nun einmal angewiesen sind. Dann natürlich die Sprachbarriere, die ja in nahezu jedem Land eine mehr oder weniger große Herausforderung darstellt. In Russland haben wir es ja nicht nur mit einer unbekannten Sprache, sondern auch mit einem unbekannten Schriftbild zu tun.

Die Fanbotschaft braucht eine gute Kommunikation und Vernetzung mit den Ansprechpartner*innen in den Gastgeberstädten und den dortigen Tourismuszentralen. Wenn dieses Know-how vor Ort mit dem Fachwissen der Fanbotschaft über die Bedürfnisse der deutschen Fans gekoppelt wird, wird die Fanbotschaft auch in Russland von großem Nutzen für alle Beteiligten sein. Da sehe ich eine Menge Potenzial.