Sie sind hier: /Startseite /Service/Newsarchiv

16.09.2014

KOS-Schriften 11 – fanarbeit 2.0

Mit fanarbeit 2.0. Zukünftige Herausforderungen für die pädagogische Arbeit mit Fußballfans liegt nun der elfte Band der KOS-Schriften vor. Die Beiträge, die rund um das KOS-Jubiläum im vergangenen Jahr entstanden sind, beleuchten bisherige Erfolge und neue Herausforderungen der Fanarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven.

Das 20-jährige Jubiläum der KOS liegt inzwischen etwas mehr als ein Jahr zurück. Mit Feierlichkeiten im Frankfurter Römer samt Empfang im Kaisersaal, einer Party im Frankfurter Südbahnhof und einem anschließenden Fachtag im Haus der Jugend wurde es angemessen ausführlich und angemessen unterschiedlich begangen, um auch die Bandbreite der Arbeit, die in und von der Koordinationsstelle Fanprojekte getan wird, abzubilden.

Zum Fachtag unter dem Motto „Zukunft der Fanarbeit“ waren bewusst Expertinnen und Experten eingeladen, die nicht aus dem Bereich der Fanarbeit stammen, dieser aber auf die eine oder andere Art verbunden sind und so eine informierte Außensicht auf relevante Themen geben konnten. Die Beiträge des Fachtages – ergänzt um eine Diskussionsrunde aus dem Frankfurter Römer sowie eine mit internationalen Gästen besetzten Podiumsdiskussion auf dem Fachtag – liegen nun im 11. Band der KOS-Schriften auch in veröffentlichter Form vor, um die Diskussion um „Zukünftige Herausforderungen für die pädagogische Arbeit mit Fußballfans“ in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen. Um diese Öffnung auch sprachlich zu erreichen, ist der Band auch in englischer Übersetzung erschienen – dafür geht ein Extradank an United Language Services.

Vielfältige Herausforderungen für die Fanarbeit

In den Beiträgen von Klaus Farin und Titus Simon – beide ausgewiesene Experten im Bereich Jugendforschung und Jugendarbeit – geht es dabei zunächst um den gesellschaftlichen Blick und Umgang mit der Zielgruppe der Fanarbeit: den Jugendlichen. Beide konstatieren eine Einengung der Freiräume für junge Erwachsene und zunehmende soziale Kontrolle. Hier entgegenzuwirken ist auch eine Aufgabe der Fanarbeit. Andreas Zick vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld beschäftigt sich in seinem Beitrag mit einer der größten aktuellen Herausforderungen für Fanprojekte, Vereine und auch die Fanszenen selbst: Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung – zusammengefasst unter dem Stichwort „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Andreas Zick schildert sowohl die Bedingungen, die eine solche Haltung innerhalb der Fanszenen begünstigen, als auch die Möglichkeiten, ihr etwas mit den Mitteln der Fankultur entgegenzusetzen.


Fortbildung Rechtsextremismus

Mit den aktuellen Herausforderungen rechter Strömungen in den Fankurven und rechtsaffiner Fangruppierungen für die sozialpädagogische Arbeit beschäftigt sich die KOS in ihrer gerade startenden Langzeitfortbildung „Rollback der Rechten in den Kurven?“ für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fanprojekte, die hier im Kreis von Kolleg_innen und mit fachlicher Begleitung lernen, diskutieren und konkrete Hilfestellungen für die Arbeit erhalten können.


Mit Themen aus dem Inneren der Fanszenen setzen sich die folgenden Beiträge auseinander. Jonas Gabler und Heidi Thaler – inzwischen KOS-Mitarbeiterin – befassen sich jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Ultrabewegung und bieten wertvolle Einblicke für die sozialpädagogische Fanarbeit. Gabler beschreibt die inneren Logiken, Prozesse und Widersprüche der Ultraszenen und setzt sie in Bezug zu dem anwachsenden Druck von außen, Thaler beleuchtet die Situation der weiblichen Ultras, die sich in einem von heterosexistischen Normen geprägten Feld behaupten, das ihnen paradoxerweise gerade durch seine ausgeprägte Männlichkeitsdominanz Freiräume eröffnet. Eva Feldmann Wojtachnia von der Ludwig-Maximilians-Universität München widmet sich in ihrem Beitrag einem weiteren Gegenwarts- und Zukunftsprojekt der Fanprojekte: den zwölf Lernzentren. Ihre Auswertung des Projekts Lernort Stadion zeigt die positive Wirkung, die das Konzept der Verknüpfung von (politischer) Bildung und Fußball entfalten kann.

Umrahmt werden die nun in Textform vorliegenden Vorträge des Fachtags neben zahlreichen Fotos durch weitere Beiträge: KOS-Leiter Michael Gabriel skizziert in einem einleitenden Text die Entwicklung der KOS, aber auch der Fanarbeit, der Fankultur und die gewandelte gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs insgesamt in den vergangenen 20 Jahren. In einer Podiumsdiskussion bei den Feierlichkeiten im Frankfurter Römer blicken Vertreter des institutionellen Netzwerks rund um die Fanprojekte in Deutschland auf die Entwicklung der Fanprojekte seit 1993 zurück, diskutieren die Bedeutung des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit und beschreiben anstehende Herausforderungen. Zum anderen die abschließende Podiumsdiskussion des Fachtags, die den Blick nach Europa öffnet und Vertreter von Fanorganisationen und Institutionen der Fanarbeit aus England, Österreich, Polen und der Schweiz umfasst. Den Abschluss des Bandes bildet der Beitrag von Gerd Dembowski, der die Party zum 20. Jubiläum der KOS zum Anlass genommen hat, um über eine alternative Welt zu spekulieren, in der Polizisten zu Sozialarbeitern umgeschult werden.


Die KOS-Schriften 11 sind in deutscher und englischer Sprache erschienen. Das Buch ist bei der KOS gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro (inkl. Versand) erhältlich.

Auf Deutsch zum Download: http://www.kos-fanprojekte.de/fileadmin/user_upload/material/kos/schriften/KOS-schriften11-201403-screen.pdf

Die englische Fassung zum Download: http://www.kos-fanprojekte.de/fileadmin/user_upload/material/kos/schriften/KOS-schriften11-en-201403-v03.pdf