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11.06.2015

„Eine ganz besondere Veranstaltung“ – 24. Fanfinale in Berlin

Ein Wochenende mit Fußball, Fans und Fanprojekten. Zum 24. Mal fand vom 28. bis 30. Mai das Fanfinale in Berlin statt. Bei dem großen Fußballturnier kicken Anhänger von Vereinen quer durch alle Ligen und Bundesländer gegeneinander. Für die pädagogische Fanarbeit ist das Turnier eine wertvolle Möglichkeit für Begegnung und Austausch.

Nein, das Wetter ist nicht immer so fußballtauglich wie in diesem Jahr. „Wir mussten auch schon bei 30 Grad Wassereimer zur Abkühlung ans Spielfeld stellen oder Siegerehrungen im Gewittersturm abhalten“, sagt Thomas Jelinski vom Fanprojekt Berlin. Die Rede ist vom Fanfinale der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, dem Fußballturnier für junge Fußballfans aus dem ganzen Land, das jährlich am Wochenende des DFB-Pokalfinales in Berlin stattfindet. Organisiert wird es vom Fanprojekt der Sportjugend Berlin, eingeladen sind alle  Fanprojekte in Deutschland. Zur 24. Auflage in diesem Jahr reisten 200 Jugendliche aus 18 Städten an, um auf der Sportanlage Jungfernheide in Berlin-Charlottenburg zu kicken, zu zelten und sich mit Fans aus anderen Orten auszutauschen.

Regeln für alle

„So eine Möglichkeit des Zusammentreffens gibt es sonst kaum“, sagt Jelinski. „Das macht das Fanfinale zu einer ganz besonderen Veranstaltung, auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fanprojekte.“ Unterstützt wird die Veranstaltung vom DFB, den beiden Pokalfinalisten, dem Berliner Fußballverband und der Berliner Fanszene, die sich traditionell um den Auf- und Abbau der Zelte kümmert, in denen die Gruppen auf dem Gelände übernachten. In den Anfangsjahren des Turniers zu Beginn der 1990er-Jahre setzten sich die Teams der Fanprojekte auch aus jungen Hooligans zusammen, inzwischen hat sich das Feld der Teilnehmer verändert – und auch die Regeln. Heute bestehen die Teams meist aus Fans, die den Ultraszenen nahestehen, die Altersgrenze liegt bei Anfang zwanzig, während des Turniers gibt es keinen Alkohol, und Respekt für die jeweiligen anderen Szenen ist Vorbedingung. „Das wird klar kommuniziert, und die Kolleginnen und Kollegen tragen dafür Sorge, dass es in ihren Gruppen auch funktioniert“, sagt Thomas Jelinski.

Pädagogisch wertvoll

Genau diese Begegnungen mit – teilweise auch rivalisierenden – Fangruppen sind es, die den pädagogischen Wert des Turniers für die Fanprojekte ausmachen. Das Fanprojekt Rostock ist seit 2009 jedes Jahr dabei und bringt, wie Mitarbeiter Martin Brochier sagt, auch einen gewissen sportlichen Ehrgeiz mit auf den Platz. „Die Leute, die bei uns mitfahren, haben schon richtig Lust auf das Turnier und aufs Fußballspielen. Immerhin sind wir dieses Mal Dritter geworden. Ganz wichtig ist jedoch auch, andere Fans und Gruppen mal persönlich kennenzulernen und sich die eigene Meinung nicht nur über die mediale Berichterstattung, Hopperberichte oder Youtube-Videos zu bilden.“ Eine gute Gelegenheit, um Vorurteile abzubauen und festzustellen, dass es bei allen Unterschieden in Farben, Verein und Liga vielleicht doch auch viele Gemeinsamkeiten gibt. Für solche Begegnungen gebe es im Fußballalltag, wo Fans in der Regel vom Bahnhof zum Stadion und wieder zurück eskortiert würden, kaum Gelegenheit.

Natürlich, so sagen die Fanprojektler aus Berlin und Rostock, läuft es beim Fanturnier nicht immer nur harmonisch ab. „Es wird schon mal ein bisschen provoziert, das ist klar“, so Martin Brochier. „Aber wir treffen uns in der Gruppe auch immer schon im Vorfeld, die Regeln werden definiert, und man achtet gemeinsam auf die Einhaltung.“ Nicht zuletzt bietet das Wochenende in Berlin für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fanprojekte auch die Gelegenheit, „ihre“ Fans näher kennenzulernen und ein engeres Vertrauensverhältnis aufzubauen. „Das Fanfinale ist auch nach all den Jahren immer wieder etwas Besonderes, was ich in meinem Kalender nicht missen möchte“, sagt auch Marion Kowal von der KOS. „Es ist großartig, die Fangruppen miteinander auf einem Platz zu erleben. Auch wenn es hin und wieder nicht ohne Reibereien abgeht, ist die Atmosphäre geprägt von fairem Verhalten und viel Spaß. Außerdem stellt das Fanfinale so etwas wie einen Saisonabschluss dar, wo auch viele Kolleginnen und Kollegen die Zeit nutzen, um sich auszutauschen. Und ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass das Berliner Fanprojekt in jedem Jahr eine organisatorische Meisterleistung vollbringt und sich sehr herzlich um alle Anliegen kümmert, die im Laufe eines Wochenendes anfallen – dafür unsere Hochachtung!“ Nachzutragen bleibt der sportliche Ausgang: Der Sieg ging in diesem Jahr ans Fanprojekt Chemnitz, das sich im Finale gegen das Team vom Fanprojekt „Streetwork Alte Försterei“ von Union Berlin mit 2:1 nach Neunmeterschießen durchsetzen konnte.

Gemeinsam beim Fußball

Bei allen positiven Aspekten des Fanfinales beobachten die Organisatoren in Berlin jedoch auch, dass die Anmeldungen in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen sind. „Wir haben in der letzten Zeit leider kein Mädchenturnier mehr veranstalten können, weil sich nicht genug Teams angemeldet haben“, sagt Jelinski. „Das ist schade, und wir werden gemeinsam überlegen, wie wir das wieder ändern können.“ Auch die Wiedereinführung der Relegationsspiele vor einigen Jahren hat zu einem Rückgang beigetragen, bereits gemeldete Fanteams haben sich wieder abgemeldet, da schließlich das Bangen um den Klassenerhalt oder einen möglichen Aufstieg doch Vorrang hatte. Verfolgt wurden die jeweiligen Hinspiele der Relegation gemeinsam auf der Großbildleinwand, die direkt an den Zelten aufgebaut worden war.  Am Freitag Abend gab es zwischen dem Abschluss des Turniers und der TV Übertragung ein  spannendes Fußballquiz für alle Teams, hier zeigte sich das Team aus Bochum am Kenntnisreichsten.  „Atmosphärisch war das sehr gelungen“, bilanziert Thomas Jelinski. „Bei dem großen Angebot in Berlin gelingt es ja nicht immer, dass alle auch abends auf der Anlage bleiben.“

Zum großen Angebot in Berlin gehört natürlich auch das DFB-Pokalfinale im Olympiastadion. Traditionell war der gemeinsame Besuch des Spiels Programmbestandteil des Fanfinales, der DFB stellte in der Vergangenheit ein entsprechendes Kaufkartenkontingent für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Verfügung. „Das ist gerade für die ultraorientierten Fans, die dem DFB oft kritisch gegenüberstehen, eine positive Erfahrung gewesen“, sagt Martin Brochier. „Da hat der Verband auch punkten können.“ Leider musste dieser Programmpunkt bei dieser Auflage des Turniers ausfallen. Im kommenden Jahr steht das 25-jährige Jubiläum des Fanfinales an. Ehrensache für die Organisatoren, dass es wieder in Berlin über die Bühne geht – hoffentlich dann auch wieder mit einem Mädchenturnier und einem gemeinsamen Spielbesuch im Olympiastadion.