Erklärung von Football Supporters Europe

EINE WELTMEISTERSCHAFT, DIE DIE FANS ENTTÄUSCHTE

Nach dem Schlusspfiff, der am Sonntag die FIFA-Weltmeisterschaft beendete, ruft Football Supporters Europe (FSE) die gesamte Fußballgemeinschaft dazu auf, die FIFA zur Rechenschaft zu ziehen und strukturelle Reformen der Governance zu fordern, um die Entscheidungsmacht an den FIFA-Rat und -Kongress zurückzugeben und eine umfassende Konsultation mit Vereinen, Ligen, Spielern und Fans sicherzustellen. 

Die Weltmeisterschaft 2026 hätte ein Fest des Spiels und der Fans sein sollen, die ihm Leben einhauchen. 

 Stattdessen ist es allzu oft zu einem Fallbeispiel dafür geworden, was im heutigen Fußball so grundlegend falsch läuft. 

Von Anfang an wurden die Fans aufgefordert, der FIFA zu vertrauen und sich zu entspannen. Doch der Verband priorisierte Spektakel und Kommerzialisierung gegenüber dem Stadionerlebnis und veränderte dabei wesentliche Elemente der Identität des Fußballs. Im letzten Monat mussten wir miterleben, wie der Fußball dem Gutdünken von Gianni Infantino und der Trump-Regierung unterworfen wurde.  

Die hemmungslose Ausnutzung der Fanloyalität bei der Ticketpreisgestaltung, die unverhohlene Kommerzialisierung von Eintrittskarten, explodierende Transportkosten, die Missachtung von Regeln und Verfahren,  der Ausschluss großer Teile der Weltbevölkerung  und mangelnde Transparenz in der Kommunikation – all dies schuf ein Klima der Verwirrung und des Misstrauens, das dem Ruf der FIFA, der Weltmeisterschaft und der Integrität des Fußballs selbst schwer geschadet hat. Die Prognose der FSE vom Dezember 2025,  „minimale Sicherheit, maximale Ausbeutung“,  hat sich leider bewahrheitet. 

Ticket- und Transportkosten 

Während der gesamten Weltmeisterschaft hat die FIFA die Loyalität ihrer Fans durch historisch hohe Ticketpreise, dynamische Preisgestaltung, die den Zugang zu Tickets in einen Bieterwettbewerb verwandelte, und einen faktisch legalisierten Schwarzmarkt, den sie selbst über eine uneingeschränkte Wiederverkaufsplattform geschaffen hat, bis zum Äußersten strapaziert. Gleichzeitig wurden Fans mit Behinderungen vernachlässigt: Sie erhielten keine kostenlosen Begleitkarten, und barrierefreie Tickets wurden von Ticketwucherern aufgekauft und auf dem FIFA-eigenen Marktplatz gewinnbringend weiterverkauft. Es ist offensichtlich, dass Fans mit Behinderungen bei der Planung und Entscheidungsfindung für dieses Turnier weder sinnvoll konsultiert noch angemessen berücksichtigt wurden. Dadurch entstand eine wenig einladende Atmosphäre, die sie vom Besuch des Turniers ausschloss. Verschärft wurde die Situation durch opportunistische Transportunternehmen in einigen Austragungsorten, die die Preise für die Anreise zu den Spielen in die Höhe trieben, ohne dass die FIFA etwas dagegen unternahm. Die Versprechen aus der ursprünglichen Bewerbung bezüglich erschwinglicher Ticketpreise und Reisemöglichkeiten verflüchtigten sich schnell.  

Keine Spur von einer „Weltmeisterschaft für alle“ 

FIFAs Versprechen einer „Weltmeisterschaft für alle“ wurde nicht eingelöst. Während der gesamten Weltmeisterschaft prangerten FSE und seine Partner der Sport and Rights Alliance den beispiellosen Ausschluss, die Diskriminierung und den Machtmissbrauch der US-Regierung an. Fans, Offizielle, Journalisten und sogar Familienangehörige aus verschiedenen Ländern durften aufgrund der Visabestimmungen während des Turniers nicht in die USA einreisen. Viele LGBT+-Fans entschieden sich zudem gegen eine Reise zur Weltmeisterschaft, da ihnen keinerlei Sicherheit während der Spiele garantiert werden konnte. 

FIFA-Governance 

Die Kontroversen um diese von der FIFA organisierte Weltmeisterschaft reichten von dem fadenscheinigen „Friedenspreis“, mit dem Donald Trump beschwichtigt werden sollte, über die maßlose Auslegung der eigenen Regeln, die die Identität des Spiels bis zur Unkenntlichkeit veränderte, bis hin zur Einmischung der Regierung in Spielangelegenheiten. Die Aufteilung der Spiele in Viertel, Werbeunterbrechungen, die als Trinkpausen getarnt waren, der Verzicht auf die 15-minütige Halbzeitpause zugunsten eines Popkonzerts, das Einreiseverbot für Iran in die USA an spielfreien Tagen und der Balogun-Skandal waren eindeutige Tiefpunkte. Die FIFA verlässt diese Weltmeisterschaft mit einem völlig zerstörten Ruf bei den Fans, da sie ein tiefes Misstrauen hinterlassen hat.  

Die Lehren aus dieser Weltmeisterschaft sind eindeutig: Die FIFA ist ungeeignet, den Weltfußball zu regieren. Die Zukunft des Fußballs darf nicht in den Händen eines Mannes liegen, der einmal mehr bewiesen hat, dass er finanzielle und politische Interessen über die Zukunft unseres Sports stellt.  

Ab heute läuft der Countdown bis 2030. 

Für FSE und seine Mitglieder richtet sich der Fokus nun auf die sechs Co-Gastgeberländer der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2030 (Spanien, Portugal, Marokko, Argentinien, Paraguay und Uruguay). Von Beginn an muss das Turnier mit Blick auf die Bedürfnisse der Fans geplant werden. Als europäische Organisation sind wir uns der gravierenden Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Servicequalität bei Fußballspielen in Spanien und Portugal sehr bewusst. Fans berichten regelmäßig von unverhältnismäßiger Polizeipräsenz, Polizeigewalt, invasiven Leibesvisitationen, mangelhafter Kommunikation und unzureichenden Serviceleistungen. Allzu oft werden Fans als Risiko betrachtet, das es zu managen gilt, anstatt als willkommene Gäste. 

Wenn Spanien und Portugal als Co-Gastgeber der Weltmeisterschaft erfolgreich sein wollen, müssen diese Probleme sowie jene der diesjährigen WM angegangen werden. Beide Länder hinken den aktuellen europäischen Standards im Bereich Fandialog weit hinterher und müssen moderne Strategien einführen, um diese Lücke zu schließen. Fans aus aller Welt erwarten zu Recht sichere, barrierefreie, einladende und gut organisierte Spieltagserlebnisse – diese Standards sind nicht verhandelbar. 

https://www.fanseurope.org

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