Fankultur im Gespräch
Unter der Überschrift „Mehr als 90 Minuten: Fankultur im Fußball“ fand am 8. Juli eine Podiumsdiskussion mit integrierter Lesung an einem sehr besonderen Ort statt. Die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Dr. Christiane Schenderlein, nutzte die Aufmerksamkeit der gerade laufenden WM und lud eine illustre Schar an Gästen ins Bundeskanzleramt ein, um über Fußball, Leidenschaft und Fankultur zu sprechen.
Unter der wie immer sehr souveränen Moderation von Katrin Müller-Hohenstein diskutierten neben der Ministerin noch Horst Heldt, Geschäftsführer Profifußball von Union Berlin, Stina Johannes, Fußballnationalspielerin, Christoph Biermann Reporter bei „11 Freunde“, Daniela Wurbs, Leiterin von „KickIn“ sowie Michael Gabriel als Leiter der KOS.
Inhaltlich ein- und übergeleitet wurden die verschiedenen Themenblöcke durch literarische Texte bekannter Autoren und Autorinnen, von Albert Camus über Dagrun Hintze bis hin zu Nick Hornby. Diese wurden gekonnt vorgetragen vom Schauspieler Daniel Sträßer, bekannt als Kommissar im „Tatort“ Saarbrücken. Auf diese Weise angereichert, gelang es, einen kurzweiligen und den Rückmeldungen aus dem Publikum zufolge auch interessanten Abend zu gestalten, der die kritischen Seite der Fankultur (Gewalt, Rassismus, Sexismus) nicht aussparte, aber basierend auf der weltweiten Faszination, die der Sport ausübt, in erster Linie die vielen positiven Aspekte der Fankultur betonte, die aus dieser globalen Verbundenheit entstehen. Der Fußball und seine Fankultur fördern den Zusammenhalt in der Gesellschaft und können durch pädagogische Initiativen wie z.B. die Fanprojekte als Lernort für Jugendliche genutzt werden (Gabriel), das Engagement und die Eigeninitiative von Fans hat den Fußball und seine Fankultur vielfältiger und weltoffener werden lassen (Wurbs) und die Verbundenheit zwischen Fans und Verein führt bei einem Verein wie Union Berlin dazu, dass beide Seiten in der Verantwortung sind, diese gemeinsame Verbindung immer wieder herzustellen, mit Leben zu füllen und zu schützen (Heldt).
Es war Christoph Biermann vorbehalten auf Entwicklungen innerhalb des Fußballs hinzuweisen, die eine Gefahr für das Kulturgut Fußball darstellen. Hier benannte er die aktuellen Vorfälle bei der WM 2026 mit Blick auf Trump und Infantino, aber auch das zunehmende Aufkommen von globalen Investoren und der sogenannten Multi-Club-Ownerships im Fußball, die aus seiner Sicht den Kern der Faszination des Spiels in Gefahr bringen. Stena Johannes, die letzte Saison von Eintracht Frankfurt nach Wolfsburg gewechselt ist, verwies auf die besondere Fankultur beim Frauenfußball, wo die Atmosphäre weniger konflikthaft ist als beim Fußball der Männer und die Staatsministerin Schenderlein unterstrich die Verantwortung der Politik, das Engagement all der vielen Freiwilligen im Fußball weiter zu unterstützen.
Das Setting im Bundeskanzleramt, quasi unter den Portraits aller bisherigen Bundeskanzler – mit Ausnahme des ganz frischen Portraits von Angela Merkel, welches gerade im Bode-Museum hängt – war wirklich sehr beeindruckend. Unser Leiter Michael konnte seine Erinnerungen auffrischen, denn für ihn war es das zweite Mal im Kanzleramt. Schon 2006 war er mit den Kolleg*innen aus den Fanprojekten bei der seinerzeitigen Kanzlerin Angela Merkel zu Gast, die sich für die Arbeit der Fanprojekte bei der WM 2006 erkenntlich zeigte. So hat sich ein schöner und erfolgreicher Kreis geschlossen.
Credits: Photothek Media Lab



