Ausschuss für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestags: KOS und Fanprojekte als Expert*innen geladen

Am 25. März 2026 fand die 20. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestags in der aktuellen Legislaturperiode in Berlin statt. Das Thema „Reaktionen auf die jüngsten Ausschreitungen in deutschen Fußballstadien“ war eine Antwort auf die massiven Ausschreitungen nach dem Spiel zwischen dem 1.FC Magdeburg und Dynamo Dresden in der 2. Liga.

Eingeladen waren neben DFB, DFL, dem 1. FC Magdeburg, Dynamo Dresden und der Polizei auch Volker Körenzig, Leiter des Karlsruher Fanprojekts und Michael Gabriel als Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj (KOS). Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen hatten die Möglichkeit, Fragen an die Expert*innerunde zu stellen.

Fans als Partner*innen und Ressource aktiv beteiligen

Michael Gabriel, Leiter der KOS, Gabriel mahnt, gerade im Zuge krisenhafter Ereignisse wie in Magdeburg, zu Sachlichkeit und zu einer selbstbewussten Besinnung auf die in Europa in der Qualität einzigartige vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit im Netzwerk, auch durch eine weitere Stärkung der Stadionallianzen.

Mit Blick auf die in der aktuellen Debatte geäußerten Forderungen aus Teilen der Politik und des Sicherheitsapparats nach schärferen Maßnahmen, z.B. bei der Erteilung von Stadionverboten oder der Forderung nach Beteiligung der Vereine an den Polizeikosten, bezweifelt er, dass dies die Sicherheit langfristig erhöhen würde. Vielmehr befürchtet er, dass so die Bekämpfung der tatsächlich vorhandenen Problemlagen, wie die gestiegene Gewaltbereitschaft in Teilen der Fanszene oder die zunehmende Demokratieskepsis, nicht effektiv adressiert würden.

In ihrer vorab an den Ausschuss übermittelten Stellungnahme macht die KOS deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Fans für eine positive, engagierte und vielfältige Fankultur steht und diese zwingend als Teil der Lösung angesprochen werden müssen. Diese große Mehrheit wird durch die fördernde und ressourcenorientierte Begleitung durch die sozialpädagogischen Fanprojekte bestärkt und stabilisiert. Fankultur ist ein tragender Bestandteil des deutschen Fußballs und ein zentraler gesellschaftlicher Sozialisationsraum für junge Menschen. Phänomene wie Gewalt, Demokratieskepsis, Perspektivlosigkeit und Radikalisierung werden von Fanprojekten und KOS seit Jahren offen angesprochen, interventionistisch begleitet und aktiv bearbeitet.

Um diese herausfordernde pädagogische Arbeit in der Praxis wirksam und qualitativ hochwertig umsetzen zu können, benötigt Fanprojektarbeit Vertrauen, bedarfsgerechte Ressourcen und rechtliche Sicherheit. Dies betont eindringlich Volker Körenzig, langjähriger Leiter des Fanprojektes Karlsruhe.

Sachlichkeit und partnerschaftliche Zusammenarbeit – gerade in Krisen

Gewalt, Radikalisierung und Demokratieskepsis muss aber von allen Netzwerkpartnern in gemeinsamer Verantwortung begegnet werden und zwingend die Fans als zentralen Gelingensfaktor miteinschließen.

Michael Gabriel: „Die 1993 im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit begründete Zusammenarbeit aller Beteiligten, vom Fußball über die Kommunen und die Polizei bis hin zur professionellen Fanarbeit, ist in dieser Qualität einzigartig in Europa und der Garant für das hohe Sicherheitsniveau im deutschen Fußball. Die professionellen sozialpädagogischen

Arbeitsansätzen, die die Interessen der Fans im Blick haben, leisten darüber hinaus einen entscheidenden Beitrag zur Demokratieförderung und positiven Bestärkung junger Menschen. Fanprojekte brauchen aber dringend eine verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung.“

Hier finden Sie die komplette Stellungnahme der KOS: https://www.bundestag.de/resource/blob/1156998/260325_kos.pdf

Sie wollen die Sitzung des Sportausschusses selbst nachhören und -sehen? Ab Minute 37 geht´s los. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7650526

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