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Berlin (1990)

Das Fanprojekt Berlin wurde 1990 mit Unterstützung des Landes Berlin eingerichtet und befindet sich in Trägerschaft der Sportjugend im Landessportbund Berlin e. V. Das Projekt wird aktuell aus Mitteln der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Geldern der Deutschen Fußball-Liga und des Deutschen Fußball-Bundes gemäß den Bestimmungen des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit finanziert. Darüber hinaus erhält das Projekt für die Beschäftigung von Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr eine finanzielle Förderung durch das Bundesamt für Zivildienst.

Jugendbegegnung in Cadiz – Beteiligung von Berliner Fans dank dem FP Berlin

Die vier Mitarbeiter (zwei Diplom-Sozialpädagogen, ein Diplom-Sportwissenschaftler und ein Diplom-Pädagoge) des Fanprojekts arbeiten vereinsunabhängig und sind hauptamtlich beschäftigt. Eine Besonderheit des Berliner Fanprojekts besteht in der Betreuung von Fans vier verschiedener Berliner Fußballvereine. Dies sind Hertha BSC, 1. FC Union Berlin, BFC Dynamo und Tennis Borussia Berlin. Eine Intensivierung der Arbeit mit den Fans des BFC Dynamo wäre sinnvoll. Leider wurden zu diesem Zweck beantragte Mittel nicht genehmigt.

Die Angebote des Fanprojekts richten sich an jugendliche und jungerwachsene Fußballfans beiderlei Geschlechts im Alter von 14 bis 27 Jahren. Dabei arbeitet das Projekt sowohl mit auffälligen und gewaltfaszinierten bzw. gewaltbereiten Jugendlichen als auch mit aktiven Gruppen, die sich selbstinitiativ, kreativ, gewaltfrei und antirassistisch engagieren. Darüber hinaus kooperiert das Fanprojekt im Arbeitsbereich Gremienarbeit mit allen im Bereich Fußball engagierten Personen, Vereinen und Institutionen.

Die Arbeit des Fanprojekts stützt sich im Wesentlichen auf fünf Säulen:

Betreuung/Begleitung bei Heim- und Auswärtsspielen

Die Mitarbeiter des Fanprojekts sind bei allen Heimspielen vor Ort in den Stadien und stehen den Jugendlichen als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie stehen dabei auch im engen Kontakt zur Fanbetreuung der Vereine und den Kollegen und Kolleginnen der Fanprojekte, die die Gästefans begleiten. Bei Auswärtsspielen begleitet das Fanprojekt die Fans meist bei deren selbst organisierten Fahrten in Fanbussen. Zu ausgewählten Spielen bietet das Projekt eigene alkohol- und nikotinfreie U18-Fahrten für jugendliche Fans unter 18 Jahren an. Die Mitarbeiter versuchen in Konfliktsituation zu schlichten bzw. Konflikte im Vorfeld zu vermeiden und so zu einem reibungslosen Ablauf beizutragen.

Beratung

Das Projekt bietet den Fans bei Konflikten mit dem Verein, der Polizei oder auch der Schule und dem Arbeitgeber Beratung und Unterstützung an (Einzelfallhilfe). Bei größeren Konflikten fungiert das Projekt als Vermittler und Mediator und versucht die Konfliktparteien buchstäblich an einen Tisch zu bringen. Darüber hinaus berät das Projekt auch Vereine und Institutionen im Umgang mit jugendlichen Fans bzw. leistet Aufklärungsarbeit in Bezug auf jugendliches Gruppenverhalten.

Sportpädagogische Angebote

Sport- und kulturpädagogische Angebote

Das Fanprojekt hat in vier verschiedenen Berliner Bezirken feste Hallenzeiten, zu denen einzelne Jugendliche und/oder Gruppen sich sportlich betätigen können. Derzeit wird in allen Hallen Fußball gespielt. Darüber hinaus veranstaltet das Projekt Fußballturniere bzw. unterstützt vermehrt Fangruppen bei der Organisation eigener Turniere. Ergänzt wird das Sportangebot durch Veranstaltungen im Hoch- und Dachseilgarten. Zwei der Mitarbeiter haben hierfür eine entsprechende Trainerausbildung.

Besonders erwähnenswert ist der kulturpädagogische Schwerpunkt in der Arbeit. So veranstaltet das Projekt seit drei Jahren gemeinsam mit dem Fußballkulturverein Brot & Spiele e. V. ein internationales Fußballfilmfestival – weltweit einzig in seiner Art – sowie Lesungen und Erzähl-Cafés zu verschiedensten Thematiken rund um das Medium Fußball.

Gremienarbeit

Hier versucht das Fanprojekt, sowohl auf Bundesebene als auch im Bereich der Berliner Vereine, im Rahmen seiner Lobbyarbeit zumindest Interesse für die Bedürfnisse und Probleme jugendlicher Fußballfans zu wecken, idealerweise darüber hinaus Unterstützung für sie zu schaffen. Das Stadion ist nicht nur ein Ort für Sportveranstaltungen, sondern für viele Jugendliche auch ein bedeutender Sozialraum. Die Schaffung bzw. der Erhalt von Freiräumen für Jugendliche ist deshalb die oberste Zielsetzung des Projekthandelns. In vielen Arbeitskreisen und Gesprächsrunden auf nationaler und lokaler Ebene und im Rahmen seiner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit versucht das Fanprojekt dieser Herausforderung gerecht zu werden. Insbesondere der Austausch und Dialog mit der Polizei spielt in diesem Bereich eine immer bedeutendere Rolle.

Sowohl beim 1. FC Union als auch bei Hertha BSC hat das Projekt durch sein Engagement wesentlich dazu beigetragen, dass jeweils ein sogenannter „Sicherheitsbeirat“ eingerichtet wurde. Dieses Gremium gibt Fans die Möglichkeit sich vor Verhängung eines Hausverbotes bzw. bundesweiten Stadionverbotes selbst persönlich zu den Vorwürfen zu äußern. Beide Vereine gehen mit diesem „Anhörungsrecht“ für Fans einen bundesweit vorbildlichen Weg im Sinne von Integration statt Ausgrenzung.

Generell versteht sich das Fanprojekt in immer stärkerem Maße als Beratungseinrichtung und Vermittlungsinstanz zwischen den Fans und den im Fußball agierenden Vereinen und Institutionen. Der Unterstützung der Fans bei der Artikulierung, Wahrung und Umsetzung ihrer Bedürfnisse und Wünsche kommt eine immer größere Bedeutung zu. Die Begleitung, Beratung und Unterstützung der Ultraszene bei der Organisation und Durchführung einer ersten bundesweiten Fan-Demonstration zum Erhalt der Fankultur, im Vorfeld der Pokalendspiele 2002 sei hier exemplarisch erwähnt.

Fahrten, Reisen (Jugendbegegnungen, U18) und andere Aktivitäten

Nationale und internationale Jugendbegegnungen, meist im Zusammenhang mit Fußballspielen oder Fußballgroßereignissen wie Europa- und Weltmeisterschaften, waren und sind ein wichtiger Baustein in der Arbeit des Fanprojekts.

Berlin macht Spaß – Vorbereitung einer Choreografie

Als Ausrichter des Fan-Finales, das seit 1992 regelmäßig am Pokalendspiel-Wochenende in Berlin stattfindet, hat sich das Berliner Fanprojekt einen exzellenten Ruf erworben. Dieses bundesweite dreitägige Fantreffen von fußballbegeisterten Jugendlichen beiderlei Geschlechts platzt seit Jahren nahezu aus allen Nähten, so groß ist der Anmeldedrang der Fans.

Der Bereich Entwicklung und Durchführung von antirassistischen Initiativen und Aktivitäten spielt eine zunehmend größere Rolle. Hervorzuheben ist hier die sehr gute Kooperation mit den Vereinen Hertha BSC, 1. FC Union Berlin, Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage sowie Flutlicht e. V.

Darüber hinaus ist das Fanprojekt aktiver Mitgestalter des Umsetzungsprozesses zum Projekt Lernort Fußballstadion beim 1. FC Union. Im sogenannten Lernzentrum wird die Motivationskraft des Fußballs genutzt, um für bildungsferne Jugendliche das „Lernen“ auf ganz verschiedenen Ebenen attraktiv zu machen. Eine weitere Besonderheit stellt das pädagogische Engagement im Berliner Jugendfußball dar. Hier ist das Fanprojekt u. a. intensiv in Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen des Berliner Fußball-Verbandes für Übungsleiter, Trainer und Ehrenamtliche zu den Themen Gewalt, Fairness und Toleranz eingebunden.


Fanprojekt Berlin

Ralf Busch (Leitung), Thomas Jelinski, Axel Pannicke, Birger Schmidt

Weißenseer Weg 51 - 55
13053 Berlin

TEL (030) 97 17 26 50
FAX
(030) 98 60 79 88

e-mail fanprojekt(at)sportjugend-berlin.de
Homepage
www.fanprojekt-berlin.de

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